Palmöl

Wen wir uns entscheiden, uns vegetarisch oder vegan zu ernähren, können von Mensch zu Mensch ganz unterschiedliche Beweggründe im Spiel sein. Neben Gesundheit, Umwelt- und Klimaschutz, geht es vor allem um ethische Gedanken zum Verhältnis zwischen Mensch und Tier.

Geistesgeschichtliche Strömungen verschiedener Herkunft haben den irrigen Glauben in unserer Kultur verankert, dass der Mensch mehr wert sei als das Tier. Als Veganer_innen haben wir uns von dieser Sichtweise abgewandt und fordern für Tiere Gleichberechtigung, Mitgefühl, Empathie und ein Ende der Schreckensherrschaft des Menschen über die Tiere.

Der Schritt zur veganen Ernährung aus ethischen Gründen ist für viele von uns nur der erste Schritt auf einem Weg, der viele Stufen hat, die es zu meistern gilt. Denn nicht nur die Produktion von Fleisch, Eiern und Milch ist verbunden mit der Leidensgeschichte unserer Mitgeschöpfe. Unzählige Produkte unseres täglichen Lebens, wie Daunendecken, Lederkleidung, Seidenschals oder verschiedene Kosmetikartikel, haben eine ähnliche Produktionsgeschichte. Hinzu kommt, dass wir einen Sonderweg einschlagen und von der Lebensweise der Massen Abstand nehmen (weniger als 0,1% der Bevölkerung leben in Deutschland vegan). Ein Weg, der uns zwar ermöglicht, viele Dinge ganz bewusst von Außen zu betrachten und in Übereinstimmung mit den eigenen Werten zu leben, aber auch ein Weg, der manchmal steinig und einsam sein kann.

Wenn es unser Ziel ist, durch unser Handeln möglichst wenig oder bestenfalls gar kein Leid bei Tieren zu verursachen, mag es entmutigend sein, wenn wir erkennen, dass es trotz bester Absichten dennoch nicht ganz geglückt ist. Dass wir nicht in wenigen Tagen nach unserer Entscheidung zur veganen Ernährung das Ziel erreicht haben, überhaupt kein Leid mehr zu verursachen, sollte uns jedoch niemals davon abhalten, uns stetig zu bemühen, unseren negativen Einfluss auf die Tierwelt zu reduzieren. Wenn uns etwas nicht perfekt gelingt, sollte dies kein Grund sein, eine Verbesserung gar nicht erst zu versuchen. Oder sollte ein durchschnittlich begabter Geiger, der keinerlei Aussicht darauf hat, eines Tages ein Starsolist zu werden, die Geige bei jedem falschen Ton beiseite legen und das Üben schließlich ganz aufgeben?

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf, soll nun der Blick auf ein Thema gerichtet werden, das nur auf den zweiten Blick etwas mit veganer Ernährung und veganem Konsum zu tun hat: Palmöl.

Am 5.12.2009 berichtet Arte in einer Reportage vom Schicksal indonesischer Orang-Utans auf einer Palmölplantage. Verloren irren die Affen zwischen abgeschlagenen Baumstümpfen umher und suchen vergebens nach ihrem Wald, der quasi über Nacht spurlos verschwunden ist. Plantagenarbeiter fangen und misshandeln die Tiere, missbrauchen sie als lebendige Zielscheiben.

Indonesien hat bereits 75 Prozent seines Regenwaldes verloren, der Hauptfaktor der Zerstörung ist der Anbau von Palmöl. Die für die Anlage von Palmölplantagen erfolgende Abholzung von Regenwaldfläche zerstört den Lebensraum unzähliger Tierarten und treibt den Klimawandel noch schneller voran. Weltweit sind für die Regenwaldabholzung vorwiegend die Nutztierindustrie (Futteranbau), die Holz- und Papierindustrie und die Palmölproduzenten verantwortlich. Palmöl ist mit Abstand das billigste Pflanzenöl auf dem Weltmarkt. Es ist 120 Euro pro Tonne billiger als Rapsöl und wird daher von der Industrie gerne eingesetzt. Verwendet wird Palmöl für verschiedene Lebensmittel, darunter praktisch alle Margarinesorten, die meisten Kekse und Süßigkeiten, etliche Brotaufstriche und andere Fertigprodukte, so etwa bestimmte Tofusorten. Außerdem ist Palmöl Bestandteil fast aller Waschmittel, Seifen, Shampoos und unzähliger Kosmetika. In jüngerer Zeit findet Palmöl außerdem Verwendung für staatlich subventionierten Biosprit. Viele Hersteller verschleiern die Zutat Palmöl als “pflanzliches Fett”. Selektiver Konsum erweist sich für Verbraucher_innen hier also als besonders schwierig.

Deutschland importiert jedes Jahr 950.000 Tonnen Palmöl, Tendenz steigend. Einem Bericht von http://www.wald.de zufolge, gibt es weltweit kein nachhaltig produziertes, wirklich ökologisches Palmöl. Auch Experten des WWF befürchten, dass das Nachhaltigkeitssiegel für Palmöl, RSPO, „zur reinen Marketingmaßnahme verkommt“. Nach Presseberichten ist auch die Zulieferfirma großer Biounternehmen wie Rapunzel, Alnatura und Allos, DABOON, in Urwaldrodungen und Landvertreibungen der Kleinbauern in Kolumbien verwickelt.

Nach Berichten von Rettet den Regenwald e.V. sind auch die Bio-Palmölplantagen umweltschädliche Monokulturen und entsprechen nicht der ökologischen Landwirtschaft, mit der auf der Verpackung geworben wird. Trotz der bekannten Probleme haben laut R.d.R.e.V. weder Rapunzel noch Allos oder Alnatura Bereitschaft gezeigt, auf Palmöl zu verzichten. Ins Zwielicht gerät sogar der als konsequent biologisch anerkannte Demeter-Verband, der dem größten Palmölkonzern Südamerikas, AGROPALMA, 10% seiner Produktion zertifiziert (Suchanek, 2010).

In der DR Kongo, in der fast zwei Drittel der letzten Urwälder Afrikas liegen, sind zahlreiche Arten von einem ähnlichen Schicksal wie dem der Orang-Utans bedroht. Gorillas, Schimpansen und Bonobos, Waldbüffel und Bongoantilopen sind hier zuhause und durch den Holzeinschlag akut vom Aussterben bedroht. Wo die Holzfäller ihr Werk getan haben, ist für die kommerziellen Wilderer das Feld schon vorbereitet. Vier Millionen Wildtiere werden jährlich von Wilderern für den lukrativen Verkauf von so genanntem Buschfleisch getötet. An der Abholzung im Kongo ist die Weltbank maßgeblich beteiligt. Über die Hälfte des noch vorhandenen Waldes sollen als „Produktionswald“ eingestuft werden – die Heimat von über 1000 Vogel- und 400 Säugetierarten. Nach den Plänen der Weltbank kann die Holzproduktion im Kongo um das 100fache gesteigert werden (PRO WILDLIFE 2004).

Das Thema Palmöl in Lebensmitteln und Kosmetik betrifft in den Industrienationen, die für die Rodungen verantwortlich sind, alle. Doch als Veganer_innen wollen wir glaubhaft vertreten können, warum die Margarine auf dem Brot besser ist als die Butter. Alternativen zu palmölhaltigen Produkten sind deshalb in unserer palmölfreien Einkaufsliste zusammengestellt.

Literatur:

http://www.sueddeutsche.de/wissen/regenwald-killer-palmoel-der-baum-des-anstosses-1.834281

http://www.wald.de/palmoel-statt-regenwald-deutschland-vernichtet-regenwaelder/

http://www.woz.ch/artikel/2010/nr25/wissen/19461.html

http://www.regenwald.org/mailalert/554/palmol-aus-kolumbien-vertreibung-fur-deutsche-bioprodukte

  Palmölfreier Einkaufsführer für Freiburg